FERNSEHFRIEDHOF.DE

… und so funktioniert’s:

von der Exhumierung der Flimmernden Fernsehleiche
bis zur würdevollen Trauerfeier in der Z-Bar:

Schritt 1
Der Ur-Fernsehfriedhof – das schier endlose Fernseharchiv von reproducts …
Schritt 2
… Recherche im digitalen Archivlageplan der Flimmernden Fernsehleichen …
Schritt 3
… Exhumierung einer ausgewählten Fernsehleiche …
Schritt 4
… Abgleich der Zombie-Verwaltungsnummer mit der reproducts-Archiv-Zentrale …
Schritt 5
… Einlegen der VHS-Urne in eine der antiken Abspielmaschinen …
Schritt 6
… Digitalisierung der VHS-Überreste inklusive Schönheits-OP …
Schritt 7
… Sicherung der Swedenborgschen Übergangswesen in einem Format aus Nullen und Einsen auf einem zeitgemäßen Datenträger …
Schritt 8
… Transfer in die Räumlichkeiten in Berlin-Mitte, Bergstraße 2, Ecke Torstraße …
Schritt 9
… Vorbereitung der Räumlichkeiten für die Formung der Sozialen Plastik in der Z-Bar …
Schritt 10
… Schaffung der Sozialen Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE an jedem ersten Montag eines Monats in der Z-Bar mit Hilfe von Teilnehmern …
Schritt 11
… Abbau der Sozialen Plastik und Verarbeitung des Erlebten im Trinkbereich der Z-Bar …
Schritt 12
… mit Hyperdrive zurück in die reproducts-Zentrale zur Vorbereitung einer neuen Exhumierung am ersten Montag des kommenden Monats.

reproducts und Abteilung DG schaffen jeden ersten Montag eines Monats in der Z-Bar, Berlin-Mitte, Torstraße, Ecke Bergstraße um 20 Uhr die Soziale Plastik FERNSEHFRIEDHOF.DE. Die von Menschen geformte Skulptur widmet sich der mittlerweile fast vergessenen Form des gemeinsamen Fernsehens. Dies geschieht aus zwei Gründen. Einerseits muss dem Fernsehen endlich die museale Würdigung im aktiven Erleben zukommen, die dieses Medium verdient hat. Fernsehen ist eine kollektive Kulturleistung von unglaublich vielen Menschen, die von noch viel mehr Menschen wahrgenommen wird. Theater, Oper, Ballett, Literatur sind schön und gut und wahr. Aber da wir Menschen im Grunde Abgucker und Nachahmer sind, wird unser soziales Miteinander maßgeblich von Massenmedien eingeübt. Die Geistesblitze aus den Elfenbeinturmkämmerchen setzen zwar den Keim dafür, die Verbreitung der Saat aber übernehmen die Vorturner in den Serien, Magazinen und Shows. Womit auch schon der zweite Grund berührt wäre. Klar, das Internet ist heute das Massenmedium, dass das Fernsehen in ganz vielen Bereichen ablöst und rückstandslos ersetzt (hat). Aber ebenso wenig wie das Fernsehen das Buch verbrannt hat, wird das Web das TV verbrennen. Denn der größte Vorzug des Internets ist zugleich das größte Manko. Wir können zwar alles jederzeit nach dem je eigenen Drehbuch auf dem maximal individualisierten Schirm haben, aber den kollektiven Moment JETZT gibt es nur im Fernsehen. Diese einzigartige Qualität wird die kuscheligen Tatort-Familien jedes Schweiger-Massaker überleben lassen. Und erst recht wird keinen Menschen je das disparate, zeitversetzte Gucken einer Fußballspiels reizen. Da zählt nur der atomuhrgeeichte Moment. Und schon die Differenzen der Übertragungswege zwischen Kabel, DVBT und Internet führen zu Aufständen, weil die eine Kneipe bereits jubelt, während die andere noch nicht weiß, wo der Ball hinfliegt. Wir Menschen sehnen uns nach dem Moment, dem einen, den wir gemeinsam erleben. Und genau das kann uns das Web nicht bieten. Und wenn es das tut, dann geriert es sich wie – Fernsehen. And that’s the real thing.

Wie auf dem echten Friedhof mit den wirklich toten Geliebten werden wir uns also des Lebens im Moment bewusst. Und genau das wertzuschätzen und die Muster in der Zeit zu erkennen, üben wir jeden ersten Montag im Monat ein.


FERNSEHFRIEDHOF.DE

IM BANN VON BIBI BLOGSBERG

Fernsehen, Internet und Fauler Zauber

Montag, 5. Februar 2018 um 20 Uhr
Z-Bar, Torstraße, Ecke Bergstraße, 10115 Berlin

iDay

Wir schreiben das Jahr 1996. Dieses Mal werden auf Fernsehfriedhof.de uralte TV-Leichen exhumiert, die sich mit dem damals noch ganz neuen Internet beschäftigen. Auf dem Lerchenberg geht T-4 vor der Jahrtausendwende ein TV-Magazin an den Start, das den Zuschauern dieses wundersame Internet näherbringen soll. Bewaffnet mit einem 100 MHz PC und dem damals gebräuchlichen Browser (Netscape Navigator) geht es hinein in die – damals noch etwas weniger unendlichen – Weiten des World Wide Web. Ups, jetzt haben wir schon die Antwort für das Gewinnspiel der Sendung verraten, das nämlich fragte, wofür „WWW“ steht. Egal. 2001, wieder auf dem Lerchenberg, steht bereits der gesamte Fernsehtag im Zeichen des Internets – es ist der erste iDay. Das arme, junge Internet! In nur sechs Jahren vom Findelkind zur toten Cracknutte im Kofferraum eines Formel-Eins-Boliden. Und daran ist nicht Crystal (und auch nicht Krystle Carrington) schuld, sondern Kai Böcking und die ganze Truppe der offenbar ewig beäbbelwoiten Mainzer Fernsehmacher. Denn wenn das Web dazu dient, die „Zuschauer und User“ abstimmen zu lassen, welche Krawatte der Nachrichtensprecher heute in der Hauptsendung tragen soll, ahnen wir bereits, was wir jetzt nur zu gut kennen: den Daumen-Terror der gelikten Realität. Aber keine Sorge, das lässt sich noch steigern. Mit einer lebenden toten Cracknutte aus dem Spiegel-Kabinett der Influencer-Kranken. Die zeigt 2017 – tss, schon wieder vom Lerchenberg aus gesteuert! – wie uns die sozialen Medien manipulieren. Mit Hilfe einer TV-Sendung, die so derartig langsam, retro und manipulativ daherkommt, dass sich eine XY-Sendung aus den 70ern dagegen wie die Verkündung der ewigen Wahrheiten mit 180 bpm anfühlt. Davon kann man natürlich nur Ausschnitte zeigen, denn wir tragen schließlich eine Verantwortung gegenüber den Teilnehmern an der Formung der Sozialen Plastik Fernsehfriedhof.de – alles andere wäre körperliche und seelische Grausamkeit! Dennoch interessant ist, was uns diese Sendung über den gesellschaftlichen Stellenwert der verschiedenen Medien erzählt. Und vor allem welche Macht Fernsehen auch heute immer noch hat …

FERNSEHFRIEDHOF.DE

jeweils am ersten Montag

Eintritt frei, Spenden werden nicht abgelehnt

fernsehfriedhof.de
„In einen Toten tritt man ein wie in eine offene Stadt“
Jean-Paul Sartre

was bisher geschah …

… erfahren Sie bei reproducts.de.


FERNSEHFRIEDHOF.DE ist eine Soziale Plastik von reproducts und Abteilung DG.

Vertrauen durch Sicherheit